A. Nonameous - Kleiner Leitfaden zur Geschichte und den Inhalten des Anarchismus
Einleitung
Liebe LeserInnen, diese Broschüre soll Euch einen Einstieg in die Geschichte, die Strömungen und
wesentliche Inhalte anarchistischer Ideen ermöglichen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der
Verfasser hat sich bemüht, keine eigene Wertung in diese Ausarbeitung mit einfließen zu lassen. Ihr sollt
Euch eigene Gedanken machen und ich hoffe, diese Broschur gibt Euch vielleicht Anstoß zu weiteren
Auseinandersetzungen mit dieser Idee. Anarchismus ist die politische Verarbeitung einer psychologischen
Reaktion auf Autorität, die in allen menschlichen Gruppen auftritt. Er bedeutet das "Widerstreben gegen
Autorität". Anarchie ist die Forderung nach einer Gesellschaft ohne Herrschaft, weil ihrer Auffassung nach
Menschen Freiheit und Gleichheit auch in eigener Zuständigkeit realisieren können. In einer staatlichen
Gesellschaft führt Machtkonzentration immer auch zu Korruption und somit zu einer ungerechten Verteilung
des Wohlstandes. Wenn Menschen - nach Meinung der Staatsbefürworter - nicht selbst auf sich aufpassen
können, wie kann von diesen dann eine gerechte Regierung über die anderen erwartet werden? Anarchisten
verstehen sich selbst als Denker, die über unterschiedliche Denkansätze mit anderen Anarchisten streiten,
aber immer getragen von Toleranz gegenüber anderen Strömungen. Sie sind offen und ohne geistige
Barrieren; sie streben ein Denken ohne Grenzen an. Staatsbefürworter sind Anhänger von Ideologien und
somit Dogmatiker, gefangen vom Absolutheitsanspruch ihrer grundlegenden Staatsdoktrin, intolerant
gegenüber Andersdenkenden. Nicht zuletzt: die nachfolgend aufgezählten Strömungen und Ideen sind keine
Ismen. Sie erklären sich aus der Geschichte und haben sich aus ihrer jeweiligen kulturellen Identität
besonders intensiv mit Teilen des anarchistischen Weltbildes befasst. Moderne Anarchisten und libertäre
Menschen begründen ihr Weltbild deshalb mit Erkenntnissen aus all diesen historischen Bewegungen und
lehnen es ab, sich irgendeiner einzigen Strömung zuordnen zu lassen, obwohl staatsbefürwortende Kritiker
immer wieder versuchen, Anarchisten in ideologische Schubladen zu pressen.
GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DES ANARCHISMUS:
Individualistischer Anarchismus: Wichtige Philosophen dieser Richtung waren William Godwin (1793)
mit seinem Buch "Über die politische Gerechtigkeit" und Anselm Bellagarrigue, der in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts in Frankreich gelebt und gewirkt hat. Nach dieser Denkrichtung ist die Gesellschaft nur eine
Ansammlung unabhängiger Individuen und nur diese haben Verpflichtungen untereinander. Eine extremere
Auffassung dieser Lehre vertrat Max Stirner (1806-1956). Nach seiner Diktion sind aufgrund der
wesensbedingten Einzigartigkeit des Individuums Gesetze, Naturrecht, Menschen- und Grundrechte
abzulehnen. Er beeinflusste u.a. Nietzsche.
Solidarischer Anarchismus: Vertreter dieser Denkart war Pierre Proudhon (1809-1865). Seine
Gedankenwelt entwickelte den Mutualismus. Hiernach muss das Großeigentum auf autonome
Kleineigentümer und Kleinproduzenten aufgeteilt werden. Diese schließen dann auf der Basis freier Verträge
gegenseitige Kooperationen ab. Proudhon beeinflusste Bakunin, Kropotkin und Landauer.
Kollektivistischer Anarchismus: Vater dieser Strömung war Michail Bakunin (1814-1876).Nach seiner
Auffassung hing die soziale Revolution von der Arbeiterklasse ab (Arbeiter, Kleinbauern, Militante,
Sozialisten).Ziel dieser Revolution muss die Zerstörung des Staatsapparates sein und die Vergesellschaftung
des Eigentums an Produktionsmitteln. Der Erwerb privaten Eigentums soll durch die private Arbeitsleistung
möglich sein. Bakunin war mit Marx heftig verfeindet. Die Rivalität zwischen Marx und Bakunin bei der
Ersten Internationale führte 1872 zu einem Ausschluss der Bakunisten auf dem Haager Kongress auf
Betreiben von Marx.
Nihilismus/Terrorismus: Urheber dieser Denkrichtung war Turgenjew um 1850.Er verneinte Staat, Moral,
Gesellschaft und Menschheit. Seiner Meinung nach waren diese Begriffe ein physiologischer Angriff auf die
Gesellschaft. Als Folge dieser Strömung gab es durch seine Anhänger verursacht eine Flut von sinnlosen
Attentaten in Europa und Amerika im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts.
Kommunistischer Anarchismus: Vertreter dieser Denkart waren Peter Kropotkin (1842-1921), Erich
Mühsam (1878-1934) und Alexander Berkmann (1870-1936).Diese Philosophische Richtung fordert nicht
nur die Überführung von Produktionsmitteln in Gemeinschaftseigentum, sondern auch die Aufgabe des
Lohnsystems und die Güterverteilung nach dem Motto: "Jeder nach seinen Bedürfnissen". Ab 1880 wurde
auch der von Kropotkin propagierte Kommunistische Anarchismus zur wichtigsten anarchistischen
Bewegung.
Syndikalistischer Anarchismus: Seine Basis waren die unabhängigen Gewerkschaften der
Industriearbeiter. Die Ziele waren in erster Linie die Ablösung des Staates, die Übernahme der
Produktionsmittel durch die Gewerkschaften. Er führte Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich zur Bildung
unabhängiger Gewerkschaften, die die Zusammenarbeit mit Parteien ablehnten.1907 wurde in Amsterdam
ein erster "Internationaler Anarchistenkongress" abgehalten.1910 gründete sich in Spanien die Gewerkschaft
CNT mit immerhin 700 000 Mitgliedern. In ihrem Programm von 1931 formulierte sie als Ziel einen
freiheitlichen Kommunismus ohne Staat und Privateigentum, basierend auf Syndikaten und Kommunen.
Nach der 36âer Revolution gab es in der spanischen Republik zeitweise autonome anarchistische Provinzen.
Russland: Die russische Revolution von 1905 erfolgte unter der Beteiligung anarchistischer Gruppen, sie
schlug fehl, jedoch zum ersten Male erwachte dabei ein Bewusstsein in der Bevölkerung über die Fehler des
Zarenregimes und die eigene Macht. In der Februar-Revolution von 1917, die vom Volk allein angezettelt
wurde, ist die letzte Duma-Regierung gebildet worden. Die Bolschewiki-Organisation blieb im Hintergrund,
Lenin war noch im Exil. Erst in der Oktober-Revolution 1917, in der u.a. Kerenski wegen seiner
Kriegstreiber-Politik gestürzt wurde, setzten sich die Bolschewiki gegen die schwächer organisierten
Sozialisten und Anarchisten durch, die Anarchisten kämpften jedoch überall mit. Als Folge sind die
anarchistischen Gruppen sofort nach Gelingen der Revolution verfolgt und zerschlagen worden. Trotzki und
Lenin waren gegen das Räte-System. Mit Hilfe von Morden, Brandanschlägen, Verhaftungen und
Verbannung der politischen Gegner etablierten sich die Bolschewiki.
KRONSTADT: Die Kronstädter Matrosen als Anhänger eines Räte-Systems waren bereits bei den
Aufständen 1905 und 1906 Vorkämpfer der Revolution.1921 erhoben sich die Matrosen zum Widerstand
gegen die Ausschaltung der Räte-Bewegung und der neuen Links-Parteien. Am 01.03.1921 riefen die Räte
zum Rücktritt des totalitären Sowjet von Kronstadt. Am 04.03.1921 stellte der Kronstädter Sowjet seinerseits
den Kronstädter Räten ein Ultimatum zu ihrer Auflösung und Kapitulation. Als diese nicht reagierten,
zerschlug die Armee den Kronstädter Widerstand am 16./17.03.1921.
UKRAINE: Vater der Kommunistischen Anarchismus-Bewegung in der Ukraine war Nestor Iwanowitsch
Machno (1889-1935). Er wurde 1908 zum Tode verurteilt und 1917 befreit. In der Ukraine, einem Land mit
damals 450 000 qkm und 30 Mio. Einwohnern, hatte Machno in einem Gebiet von ca. 70 000 qkm und ca. 7
Mio. Einwohnern (ein traditioneller Zufluchtsort entflohener Leibeigener und Gefangener) eine autonome
anarchistische Provinz ausgerufen.1917 wurden dort bereits Sowjets gebildet, in den Jahren 1917/1918
bildete Machno dort eine Befreiungsarmee, in der er mittels Einführung des Räte-Systems in der Armee auch
den Sieg davontrug. Durch die Trennung von Schule und Staat begründete sich ein neues Erziehungssystem,
Kommunen bildeten sich in dezentraler Selbstverwaltung, ebenso Kulturprojekte und Zeitungen. Ab 1919
jedoch hatte Machno einen 2-Fronten-Krieg gegen die bourgeoise Denikin-Armee einerseits und die
Bolschewiki andererseits zu bestehen. Am 10./15.10.1920 schlossen Bolschewiki und die Machno-Armee ein
Waffenstillstandsabkommen zur Vertreibung der bourgeoisen Armee. Im November bereits brachen die
Bolschewiki das Abkommen nach dem zerschlagenen Kronstadt-Aufstand und griffen die Ukraine an. Der
Angriff auf die Ukraine führte zu einer Zerschlagung der anarchistischen Strukturen und Errichtung der
kommunistischen Herrschaft, was 1922 vollendet war.
Spanien: Die CNT als syndikalistische Gewerkschaft hatte zum Ziel, nach der Zerstörung des Staates die
Produktion und Verteilung der Güter neu zu organisieren. Im Jahre 1936 besaß sie ca. 1,6 Mio. Mitglieder.
Im Februar 1936 siegte in Spanien bei den damaligen Wahlen eine linke/liberale Parteienbewegung. Als
Folge putschte General Franco im Juli 1936.Hierdurch kam es zu einer Koalition zwischen Anarchisten und
Regierungstreuen. Die Anarchisten errangen den Sieg, beteiligten sich aber nicht an der Regierungsbildung.
Dieses Nichtstun war jedoch fatal. Franco erhielt Unterstützung durch Hitler, und Mussolini. Die
Anarchisten/Regierungstreuen bekamen Unterstützung mit Hilfe von Waffenlieferungen aus Russland , die
Bolschewiki nahmen jedoch massiv Einfluss auf die Internationalen Brigaden. Angehörige dieser
Freiwilligenarmee wurden bespitzelt und verhört, Waffenlieferungen einseitig verteilt. Den Bolschewiki war
der Faschismus offenbar lieber als der Anarchismus. In der Konsequenz verloren Anarchisten und
Republikaner der Kampf. Wie war die Situation in den von Anarchisten dominierten spanischen Provinzen
vor der Kapitulation gegenüber den Faschisten? Die Kapitalisten flüchteten unter Zurücklassen der
Produktionsmittel. In allen Betrieben bildeten sich Räte. Die Produktion stieg an bei gleichzeitiger
Arbeitszeitverkürzung und höherem Lohn. Die Versorgung der Bevölkerung mit Krankenhäusern, das
Transportwesen, die öffentlichen Dienste verbesserten sich. Die Landwirtschaft ging in kollektive
Selbstverwaltung über. Aufgrund des allgemeinen Materialmangels kam es auch zu gelegentlichen
kriminellen Übergriffen, insgesamt jedoch hat diese Entwicklung gezeigt, dass Anarchie machbar ist.
Deutschland: Im 19. Jahrhundert existierten vereinzelte Kleingruppen. Johann Most gab ab 1876 "Die
Arbeiterzeitung" bei der "Berliner Freien Presse" heraus, ab 1879 die "Freiheit". Hierdurch hatte er immer
wieder Ärger mit der SPD. Es kam auch zu gelegentlichen Attentaten, wie z.B. 1885 zur Ermordung des
Frankfurter Polizeikommissars Rumpf.1897 wurde die Freie Vereinigung Deutscher Gewerkschaften
gegründet. Sie waren als einzige Massenbewegung gegen den Ersten Weltkrieg. Hieraus ging 1919 die "Freie
Arbeiterunion Deutschlands" hervor.
MÜNCHNER RÄTEREPUBLIK Am 07.04.1919 wurde die Münchner Räterepublik ausgerufen.
Vorgeschichte: Am 08.11.1918 wurde Kurt Eisner als Vorsitzender der bayer. USPD zum Vorsitzender den
Arbeiter- und Soldatenrates und der SPD-Koalition gewählt. Am 12.01.1919 erhielten BVP, DDP und SPD
insgesamt 82 % aller bei den Wahlen abgegebenen Stimmen, die USPD gerade einmal 2,5 %.Somit hatten
sich die Parlamentarier gegen die Revolutionären Arbeiterräte durchgesetzt. Die revolutionäre Stimmung war
also kanalisiert worden. Während der am 21.02.1919 abgehaltenen Sitzung des Landtages kam es dann zu
der Ermordung Kurt Eisners. Am 07.04.1919 haben dann alle Münchner Räte zur Weiterführung der
Revolution die Münchner Räterepublik proklamiert. Es bildete sich ein Zentralrat aus Mitgliedern der SPD,
USPD, KPD sowie den RAR. Als erste Maßnahmen wurden die Arbeiter bewaffnet, Wohnraum rationiert und verteilt, Kriegsgefangene freigelassen und die Lebensmittelversorgung sichergestellt.
Hauptorganisatoren waren hierbei Gustav Landauer und Erich Mühsam. Am 13.04.1919 kam es dann zu
einem Gegenputsch durch KPD-Rotarmisten, Reichswehr und Freikorpsleuten. Im Juni 1919 scheiterte die
Räterepublik endgültig. Gustav Landauer wurde ermordet, Erich Mühsam geriet in Haft. Am
25.12.1922/02.01.1923 gründete sich die erste Internationale Arbeiter Association (IAA).Die FAU-D löste
sich dann in den 30er Jahren auf, unter anderem aufgrund des Druckes der Faschisten.
ALLGEMEINES WELTBILD DES ANARCHISMUS
Unterschiede Liberalismus, Sozialismus, Anarchismus: Der Liberalismus beinhaltet den Begriff Freiheit,
jedoch nicht die Gleichheit der Menschen. Der Sozialismus hingegen definiert die Gleichheit der Menschen,
nicht jedoch ihre Freiheit. Beide Ideologien betrachten die Vergangenheit als Barbarei, die Zukunft jedoch
als strahlenden Fortschritt. Im Anarchismus wird die Geschichte als Dualismus von Herrschern und
Beherrschten, von Besitzenden und Besitzlosen verstanden. Das wachsende Bewusstsein/Wissen beinhaltet
den wachsenden Wunsch nach Freiheit. Autorität wird abgelehnt, stattdessen Freiheit und Gleichheit
gefordert. Insofern muss jede Regierung als Instrument der Herrschaft abgelehnt werden.
Demokratie und Vertretungswesen: Viele sind gegen undemokratische Herrschaftsformen, die
Anarchisten lehnen aber auch die Demokratie ab. Natürlich lehnen auch andere die Demokratie ab, aber die
Anarchisten glauben, dass sie keine Regierung des Volkes ist, deshalb ist sie nach ihrer Auffassung ein
Widerspruch in sich. Demokratie ist demnach nur realisierbar in kleinen Gemeinschaften, in denen jedes
Mitglied an den Entscheidungen beteiligt ist. In einem solchen Falle aber ist dann eine parlamentarischpolitische
Demokratie unnötig. Demokratie wird als Oligarchie (Cliquenherrschaft) verstanden, die
Herrschaft einiger Menschen über andere. Anarchisten verstehen Demokratie als Gesellschaftsordnung, in
der Herrschaftsgewalt mit Zwang ausgeübt wird. Wenn jedoch die Herrschaftsgewalt nicht mit ihrem Willen
übereinstimmt, sind die Herrschenden auch nicht mehr die Vertreter des Volkes. Viele Menschen glauben,
dass sie keine Verpflichtung gegenüber einer von ihnen nicht gewählten Regierung haben; dies trifft auch auf
die Anarchisten zu. Ihrer Meinung nach kann man einer gewählten Regierung gehorchen, es besteht jedoch
keine Pflicht dazu. Viele sind der Meinung, dass bei Veränderungen von wichtiger gesellschaftlicher
Bedeutung das Volk befragt werden sollte. Nach Meinung der Anarchisten sollten die Menschen ihre
Entscheidungen selbst treffen. Anarchisten sind gegen Gesellschaftsverträge und Vertretungswesen.
Notwendige Maßnahmen werden ihrer Auffassung nach immer nur von ein paar Leuten durchgeführt. Dies
sind in der Regel Leute mit Sachverstand und Interesse an der Problemlösung. Dies geht auch ohne Wahlen
und Autorität, denn Sachverstand und Kooperationsbereitschaft zur Problemlösung bestehen sowieso.
DELEGIERTER sollte nur der sein, der wirklich bevollmächtigt ist und jederzeit abrufbar ist. Herrscher als
Repräsentanten auf Zeit sind schwer angreifbar durch eine abstrakte Argumentation. Anarchisten gehorchen
nur aus praktischen Erwägungen heraus und nicht aus moralischen Erwägungen.
Staat und Klasse: Die Anarchisten betreiben Opposition gegen den Staat als Quelle und Zentrum der Macht.
Gemeint ist hierbei jeder Staat, wobei natürlich zwischen einer parlamentarischen Demokratie und dem
Sowjet-Kommunismus differenziert wird. Dennoch ist der Staat als Generalobjekt unüblich. Heute bestehen
weltweit nur noch Zentralregierungen und Institutionen als Beispiel für den Gebrauch von Autorität.
STAAT UND GESELLSCHAFT
Autorität ist heutzutage eine normale Verhaltensweise, die aber überwunden werden muss. Die Überwindung
staatlicher Kontrolle erfordert, ohne sie auszukommen. Deshalb werden offenkundige Institutionen wie z.B.
das Beamtentum, die Gesetze abgelehnt, aber auch andere Institutionen wie z.B. Schulen, Universitäten,
Banken, gemeinnützige Einrichtungen, ...weil sie auf Zwang gegründet sind und vom Staat gelenkt werden.
Institutionen haben zwar auch ihre guten Seiten. So haben sie z.B. eine nützliche Negativfunktion im
Hinblick auf die Freiheit, indem sie der Machtanmaßung anderer Institutionen Grenzen setzen (freiheitlicher
Rechtsstaat) und darüber hinaus eine nützliche Positivfunktion für die Gerechtigkeit, indem sie soziale
Aktivitäten wie z. B: Bildung, Rentenprogramme, BSHG ermöglichen. Negativbeispiele: Die Kirche
kontrollierte anstelle des Staates im Mittelalter alle Lebensbereiche, ohne ihre Einwirkung war nichtsmöglich. Heute jedoch haben die Menschen gelernt, dass die Beteiligung der Kirche am gesellschaftlichen
Leben nicht notwendig ist, ihr Einfluss hat sich verringert. So ist es auch mit dem Staat. Die Anarchisten
halten die Bevormundung durch den Staat für überflüssig, sie kommen ohne ihn besser zurecht. Der Staat
unterdrückt Völker und schränkt ihre Freiheit ein. Soziale Funktionen könne jedoch auch durch freiwillige
Vereinigungen ausgeübt werden.
STAAT UND KLASSE : Die Anarchisten glauben nicht, dass die Klasse eine Grundeinteilung der
Gesellschaft ist. Für sie ist der Staat Vertreter der Wirtschaft, Besitzstandswahrer, er unterdrückt die
Arbeitnehmer und verhindert die gerechte Verteilung der Mittel. Das System muss zerstört werden, jedoch
nicht indem es durch einen neuen anderen Staat ersetzt wird. Jede durch einen Staat errichtete Gesellschaft
wird nämlich zu einer Klassengesellschaft. Deshalb stellen Anarchisten die Forderung nach der Zerstörung
des Staates auf, d.h. die Herrscher sind zu entmachten und die Reichen zu enteignen. Die Anarchie ist eine
Gesellschaft ohne Herrschende und Reiche.
Organisation und Bürokratie: Die Ablehnung von Autorität, Herrschaft und Regierungen ist nicht die
Ablehnung jeglicher Ordnung. Die Anarchisten sind der Auffassung, dass mehr Organisation jedoch ohne
Autorität besser funktioniert. Die Zustimmung soll hierbei den Zwang ersetzen. Durch vermehrte Diskussion
und Planung nimmt jeder am Entscheidungsprozeß teil. Die hierdurch gesteigerte Zahl und Vielfalt von
unterschiedlichen Projekten macht zunächst den Eindruck von Unordentlichkeit, ist jedoch den konkreten
Bedürfnissen besser angepasst. Anarchisten lehnen die Institutionalisierung der Organisation ab, weil dies
eine Etablierung von Unterdrückungsmechanismen bedeuten würde. Die anarchistische Organisation ist
offen und flexibel, eine verschlossene/verhärtete Organisation führt zur Bürokratie und dies bedeutet
Herrschaft der Experten/Professionellen. Aufgabe der Anarchisten ist die Bekämpfung dieser Tendenzen
sowohl in den eigenen Reihen als auch in der Gesamtgesellschaft.
Besitz und Eigentum: Beides wird nicht abgelehnt. Einerseits ist Diebstahl die ausschließliche Aneignung
von irgendetwas durch irgendjemanden. Das Recht einer Person auf einen Gegenstand leitet sich nach
anarchistischer Weltanschauung jedoch nicht von einem gesetzlichen Anspruch, einem Urheberrecht oder
einer Schenkung ab, sondern maßgebend ist die Frage: "Benötigt sie ihn.?". Hierbei ist das Prinzip der
menschlichen Solidarität Maßstab: Z.B. stellt der Hauseigentümer einem Bedürftigen (ohne Wohnung) ein
Zimmer zur Verfügung. Andererseits gehört zur Freiheit das private Vergnügen an Hab und Gut in einer
ausreichenden Menge als Grundlage für ein befriedigendes Leben des Einzelnen. Als persönliches Eigentum
ist daher die nicht zur Ausbeutung bestimmte persönliche Habe akzeptiert. Als öffentliches Eigentum ist
jedoch das der Unterdrückung dienende Gut, z.B. die Produktionsfaktoren, hiervon abzugrenzen. Hierfür gilt,
dass jeder Mensch ein Recht auf das mit eigener Arbeit geschaffene Gut besitzt, jedoch nicht auf das, was
ihm durch andere zukommt. Dies beinhaltet das Recht auf benötigte Güter. Demnach haben also Reiche kein
Recht auf ihren Besitz, dieser steht den Armen zu. In der heutigen Demokratie bedeutet unselbständige
Arbeit die ewige Abhängigkeit von der Versorgung mit Gütern, die der jeweilige Arbeitnehmer nicht selbst
produzieren kann. Das öffentliche Eigentum steht unter der Kontrolle von Managern als führende Ausbeuter
der Besitzer bzw. des Staates. Heute kontrolliert eine Minderheit einen Großteil des öffentlichen Eigentums.
Ursache hierfür ist aus anarchistischer Sicht nicht die Geldverteilung oder die Besteuerung, sondern, dass
Menschen für Menschen arbeiten. Würden also die abhängig Beschäftigten den Gehorsam verweigern,
würden Eigentum und Autorität in unserer Gesellschaft verschwinden. Nun stellt sich die Frage, warum dies
alles so geschieht? Reformen und Revolutionen sind nur Scheinlösungen für diese Probleme. Die Anarchie
fordert, alles unter allen aufzuteilen, die Selbstregulierung des Marktes in form von Angebot und Nachfrage,
das freie Kreditwesen zur Verhinderung übermächtiger Kapitalanhäufungen. Der KOMMUNISMUS
hingegen fordert die Enteignung des gesamten öffentlichen Eigentums, derjenigen, die mehr haben als andere
sowie die Kontrolle über das öffentliche Eigentum in der gesamten Gesellschaft. Anarchie und
Kommunismus gemeinsam sind das Ziel der Zerschlagung des gegenwärtigen Eigentumssystems und des
gegenwärtigen Autoritätssystems.
Gott und Kirche Die Forderung weder Gott noch Herr wird von vielerlei Strömungen vertreten. Die
Atheisten/Agnostiker haben genauso wie die Rationalisten und Anarchisten den Glauben aufgegeben.
Anarchisten sind gegen die gewaltsame Abschaffung von Religionen aber auch ihre Wiederbelebung. Früherwar ein Staat ohne Kirche undenkbar, aber es ist so gekommen; heute ist eine Gesellschaft ohne Staat
undenkbar.
Krieg und Gewalt: Die Anarchisten lehnen Krieg ab, sie sind Anti-Militaristen. Anarchisten lehnen jedoch
nicht generell Gewalt ab, sie sind keine Pazifisten. Krieg ist nach Auffassung der Anarchisten ein
Paradebeispiel für Autorität außerhalb der Gesellschaft, er stärkt zugleich die innere Autorität der
Gesellschaft. Die Ablehnung von Krieg ist die größte traditionelle Gemeinsamkeit aller anarchistischen
Strömungen, hier herrscht Einigkeit bei allen Anarchisten. Krieg unterscheidet sich jedoch von einem
Bürgerkrieg. Die Aufstände in Spanien und Russland im 20. Jahrhundert erfolgten unter Beteiligung von
Anarchisten. Diese waren sich aber immer dass, dass dies sinnlos und gefährlich für die neue Ordnung sein
würde, denn eine Armee kann dem Volk niemals beim Aufbau einer neuen Ordnung helfen.
GEWALT :Gewalt ist keine neutrale Handlung und hat widerwärtige Charakterzüge, sie zerstört häufig die
mit ihr verbundenen Absichten. Es hat in der Vergangenheit auch eine anarchistisch-terroristische Bewegung
gegeben, ihre Anhänger waren jedoch immer eine Minderheit. Anarchisten haben stets jede überflüssige
Gewaltanwendung vermieden. Gewalt entsteht immer, wenn ein Volk seine Unterdrücker abschütteln will.
Hierbei ist allerdings zu bemerken, dass Armeen und ihre Machthaber die wirklichen Gewalttäter sind, denn
sie verwenden z.B. Bomben. Die Anarchisten hingegen unternahmen nur örtliche Aktionen wie z.B.
Defensivmaßnahmen oder aber Barrikadenbau. Gewalt ist ein extremes Mittel der Staatsgewalt zur
Durchsetzung ihrer Autorität.
PAZIFISMUS UND ANARCHISMUS: Pazifisten und Anarchisten haben viele Gemeinsamkeiten. So ist
z.B. der militante Pazifismus mit dem Mittel der Gewaltlosigkeit als Form der direkten Aktion (siehe Tolstoi,
Ghandi) der anarchistischen Widerstandsform sehr ähnlich. Während der Pazifismus jedoch die Autorität als
schwächere Form der Gewalt ablehnt und dies nach Meinung der Anarchisten zu moralisierend bzw. zu
weichherzig ist, lehnen die Anarchisten die Gewalt als schwächere Form der Autorität ab.
Individuum und Gesellschaft: Grundeinheit der Menschheit ist aus dem anarchistischen Selbstverständnis
heraus der Mensch. Die Gesellschaft ist demnach eine Ansammlung von Individuen und soll ihnen ein
erfülltes Leben vermitteln. Menschen haben keine natürlichen Rechte. Menschen leben in einem
Spannungsfeld. Individuen haben kein Recht, alles zu tun, aber auch kein Recht, ein anderes Individuum
davon abzuhalten. In der Anarchie gibt es keinen Gemeinwillen, keine allgemeingültige soziale
Verhaltensnorm Individuen sind gleichartig aber nicht identisch. Wettstreit, Hilfe, Aggression, Zärtlichkeit
sind natürliche Formen sozialen Verhaltens. Einige dieser Verhaltensformen jedoch fördern ein
befriedigendes Leben des Individuums, andere behindern dies. Die gleiche Freiheit für jedes Mitglied der
Gesellschaft ist der beste Weg, ein erfülltes Leben zu führen. Nach Meinung der Anarchisten soll die
Gesellschaft jeden Menschen innerhalb seiner natürlichen Fähigkeiten gewähren lassen, dann wird dieser
auch den anderen dieselben Freiheiten zugestehen. Moral und Ethik sind demnach als allgemeingültige Norm
abzulehnen. Dies betrifft alle Bereich des Lebens, also Sex (freie Liebe ist möglich, aber auch Keuschheit
des Individuums), Drogen, Gotteskulte, ...Maßstab für die Zulässigkeit individueller Freiheit ist die Frage, ob
jemand anderes in seinen Rechten verletzt wird. Anarchisten sind immer gegen nationale, sexuelle,
Unterdrückung unter dem Gesichtspunkt, dass dieses Verhalten gegen jemanden als Individuum gerichtet ist
und nicht als Aggression als Angehöriger einer Rasse. Der Staat wird als Hauptfeind des Individuums
verstanden, dies gilt aber auch für jede andere Form der Autorität, die Freiheiten einschränkt oder Individuen
gleichschaltet.
DIE UNTERSCHIEDLCHEN STRÖMUNGEN DER ANARCHIE
Philosophische Anarchie: Sie ist der Ursprung der anarchistischen Idee. Als Idee ist diese Strömung
wunderbar, jedoch nicht wirklich realisierbar, nicht wirklich erstrebenswert. Diese Idee wird von Leuten
vertreten, die außerhalb der Anarchie stehen, jedoch auch innerhalb der Bewegung. Für eine Akzeptanz
dieser Strömung spricht der Umstand, dass es sich innerhalb der anarchistischen Bewegung um eine
Minderheitenbewegung handelt, dagegen, dass diese Richtung Widerwillen für das Verständnis des reinen
Anarchismus schafft.
Individualismus, Egoismus, libertäres Denken:
INDIVIDUALISMUS
Nach ihrer Grundlage ist die Gesellschaft eine Ansammlung unabhängiger Individuen, die keinerlei
Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft als Ganzes haben, sondern nur gegenüber anderen Individuen.
Voraussetzung hierfür ist, dass alle Individuen frei und gleich sind. Dies ist nur aus eigenen Anstrengungen
möglich, nicht durch außerhalb stehende Institutionen. Ein bedeutender Vertreter dieser Lehre war Godwin.
Seiner Meinung nach sollten unabhängige Individuen alle Formen von ständigen Zusammenschlüssen
vermeiden, weil die Gesellschaft ohne Regierung und mit einem geringstmöglichen Grad an Organisierung
auskommen soll. Diese Richtung wird vorwiegend von Künstlern, Intellektuellen und Individualisten
vertreten und ist bis heute ein elementarer Teil der Anarchie. Problembehaftet ist hierbei, dass die
Individualisten nur die Autorität zerstören wollen. Dies ist zu oberflächlich gedacht, die wirklichen Probleme
der Gesellschaft bleiben unbeachtet, der Einzelne kann sich retten.
EGOISMUS
Hauptvertreter dieser Richtung war Max Stirner. Er lehnte Moral, Gerechtigkeit, Schuld ab. Seiner Meinung
nach muss die wesensbedingte Einmaligkeit eines Wesens direkt anerkannt werden. Er lehnte daher Staat
und Gesellschaft ab. Diese Haltung ist dem Nihilismus sehr nahe. Er forderte die Freiheit für Künstler, und
andere Menschen ohne Kompromissbereitschaft nach dem MOTTO: "Anarchie - jetzt oder nie!!" Wenn
Anarchie schon nicht in der Gesellschaft möglich sein sollte, dann doch im Privatleben.
LIBERTÄRES DENKEN
Dieser Gedankenansatz begreift im weiteren Sinne Freiheit als eine gute Sache, im engeren Sinne Freiheit als
das wichtigste politischen Ziel und als erste Station zum Anarchismus. Individualisten sind immer auch
Libertäre. Libertäre Kommunisten bzw. libertäre Sozialisten erkennen den Grundwert des Individuums an.
Mutualismus, Föderalismus:
Die Gesellschaft soll sich durch die Individuen aufgrund freiwilliger Abkommen selbst organisieren. Dies
geschieht auf der Grundlage von Freiheit, Gleichheit und Gegenseitigkeit.
MUTUALISMUS
Es handelt sich um eine historisch wichtige Strömung. Einer der Hauptvertreter war Proudhon. Seiner
Auffassung nach muss die Gesellschaft auf der Grundlage genossenschaftlicher Gruppen freier Individuen
organisiert werden. Grundgüter des Lebens sollen auf der Basis von Arbeitswerten getauscht werden, Freie
Kredite mit Hilfe einer "Volksbank" getauscht werden können. Zielgruppe seiner Ideen waren Handwerker,
Bauern, Freischaffende, Selbständige, Spezialisten, also Menschen, die beruflich auf eigenen Füßen stehen.
Seine Ideen wirkten im 19. Jahrhundert in Frankreich, Großbritannien und den USA, sie waren jedoch nicht
weitgehend genug. Sie ignorierten Faktoren wie die Industrie, das Kapital, das Klassensystem. Seine Ideen
lieferten jedoch das Grundgerüst für die Genossenschaftsbewegung, obwohl diese demokratisch geführt
werden und nicht anarchistisch. In der Realisierung würde seine Lehre bedeuten, dass kommunale
Aktivitäten in den Händen genossenschaftlicher Vereinigungen läge und weder Beamte noch Räte erlaubt
sein würden. Ökonomischer Mutualismus bedeutet Genossenschaftswesen ohne Bürokratie, Kapitalismus
und Profit.
FÖDERALISMUS
Die Gesellschaft sollte in einem größeren Rahmen als nur einer örtlichen Gemeinde mit einem Netzwerk von
Räten verknüpft sein, die aus verschiedenen Gebieten stammen. Diese sollen ihrerseits selbst wieder Räte
bilden, die größere Gebiete umfassen. Die Delegierten haben hierbei keinerlei Autoritätsbefugnisse, sie sind
abhängig von den Weisungen des Auftraggebers (Gemeinde) bis zum Widerruf dieses Auftrages. Die Räte
haben ein Sekretariat. Dieses System soll innerhalb der Länder und zwischen den Ländern funktionieren. Es
ist bereits bei freiwilligen Organisationen, die nicht gewinnorientiert, sondern gemeinwohlorientiert sind,
realisiert.
Kollektivismus, Kommunismus, Syndikalismus:
Der Anarchismus muss die direkte Bedrohung des Staates zum Ziel haben, denn eine neue Gesellschaft kann
nur verwirklicht werden, wenn mittels einer sozialen Revolution die Arbeiterklasse Kontrolle über die
Wirtschaft erlangen kann und der Staatsapparat zerstört wird. Durch eine Neugestaltung der Produktion
mittels Überführung in Gemeineigentum und dessen Kontrolle durch Vereinigungen der werktätigen
Menschen kann eine wirklich freiheitliche Gesellschaft erreicht werden. Die bei der Produktion hergestellten
Arbeitsprodukte können von jedem gemäß seiner Fähigkeiten entsprechend seiner Arbeit erworben werden.
Bea: Bakunin. Dies stellt ein Gegensatz zum Marxismus dar: In der einfachen Form des revolutionären
Anarchismus wird nach einem Massenaufstand der Armen gegen die Reichen ein sofortiger Übergang zu
einer klassenlosen und freien Gesellschaft ohne eine Übergangsphase der Diktatur verfolgt. Zielgruppe dieser
Strömung sind Arbeiter, Kleinbauern, die Arbeiterbewegung (Militante), Sozialisten (Freiheit/Gleichheit).
Diese Idee grenzt sich zum reformistischen Kollektivismus dahingehend ab, als dass dieser eine staatliche
Produktionsüberwachung vorsieht.
KOMMUNISMUS
Die Unterschiede zum Kollektivismus sind deutlich. Nach dem Kommunismus sind nicht nur die
Produktionsmittel in Gemeineigentum zu überführen, sondern auch die Arbeitsprodukte. Ihre Verteilung
erfolgt nach dem Prinzip von jedem entsprechend seiner Fähigkeiten, für jeden entsprechend seiner
Bedürfnisse. Kommunistischer Ansatz: Wenn Menschen Anspruch auf den vollen Gegenwert ihrer Arbeit
haben, ist es unmöglich, den Wert der Arbeit des Einzelnen zu berechnen. Die Arbeit des Einzelnen ist
nämlich in der Arbeit aller Menschen mit einbezogen, denn es gibt verschiedene Arten von Arbeit und somit
verschiedene Bewertungsmöglichkeiten. Daher muss die gesamte Wirtschaft in den Besitz der Gesellschaft
und das Lohn-/Preissystem ist abzuschaffen. Berkman hat eine sorgfältige Kritik der Gesellschaft erarbeitet
und gleichzeitig Vorschläge für die Zukunft gemacht. Er erkennt den Klassenkampf an und geht mit seiner
Kritik über den Kollektivismus hinaus. Im Kollektivismus wird das Problem der Arbeit behandelt und
Kollektive von Arbeitern als Lösungsziel definiert. Im Kommunistischen A. sollen Kommunen die Lebensund
Arbeitsgemeinschaft der Menschen werden. Am Beispiel der spanischen Revolution lässt sich
nachvollziehen, dass in der CNT zwar nominell die kollektivistische Idee, in der Praxis aber der
anarchistische Kommunismus realisiert wurde. Als Unterschied sei nochmals erwähnt, dass der
Kommunismus das Gemeineigentum an der Wirtschaft, aber auch staatliche Kontrolle über die Produktion
und die Güterverteilung sowie die Parteienherrschaft vorsieht.
SYNDIKALISMUS
Gesellschaftliche Organisationsformen sollten im Interesse der Arbeiterklasse auf Gewerkschaften und
Syndikate begründet sein. Unter syndikalistischen Gewerkschaften werden allerdings nicht reformistische
Tarifpartner sondern unabhängige Institutionen verstanden. Diese unabhängigen Institutionen erfassen die
Struktur- und Beschäftigungsprobleme der Gewerkschaftsbasis, reformieren und lenken gleichzeitig die
Wirtschaft nach dem Prinzip der Arbeiterselbstverwaltung. Die Arbeiter sind demnach militante und
klassenbewusste Elemente einer starken Arbeiterbewegung. Problematisch ist jedoch, dass die libertären
Grundsätze den Sachzwängen des täglichen Arbeitskampfes gegenüberstehen. Manche halten auch die
Bedeutung der Arbeit bzw. der Arbeiterklasse für überbewertet. Ihrer Meinung nach ist Klassenkampf zwar
ein Problem der Politik, aber nicht das einzige Betätigungsfeld der Arbeiter. Der Syndikalismus war jedoch
die erfolgreiche Basis für die anarchistische Revolution im Spanien des Bürgerkrieges.
SCHLUSSFOLGERUNG
Die alten ideologischen Einteilungen sind überholt und beinhalten lediglich verbale Unterschiede. Sie zeigen
einfach nur die unterschiedlichen Aspekte der Anarchie auf.
WAS WOLLEN DIE ANARCHISTEN
Endziel ist die Gesellschaft ohne Herrschaft.
Das freie Individuum
Anarchisten wollen mehr Spielraum für den Einzelnen, d.h. für das persönliche Verhalten wie auch für die
gesellschaftliche Beziehung zwischen den Individuen. Die Familie als naturbedingte Lebensform entfällt.
Kinder sind keine Notwendigkeit mehr. Jeder kann anders leben. Da Kinder keine Voraussetzung zum
Überleben mehr sind und die Eheschließungen nicht mehr erforderlich sind, ist ein Zusammenleben auch in
größeren Gruppen möglich, d.h. ohne feste Zweierbeziehungen und offizielle Elternschaft. Machtanwendung
im Bereich der Familie entfällt. Persönliche Beziehungen ergeben sich demnach aus der natürlichen
Solidarität. Ein moralischer Druck der Öffentlichkeit ist ausreichender Regelungsfaktor für das menschliche
Zusammenleben (die Idealanforderungen sind Richtwerte). Probleme: Der moralische Druck der
Gesellschaft, Bürgerwehren. Ziele: Loslösung von alten Problemen der Gesellschaft, Erlangung eines
gewissen Lebensstandards.
Die freie Gesellschaft
Sie setzt die Entmachtung der Autorität und die Enteignung des Eigentums voraus. Statt einer Regierung
gewählter Volksvertreter ordnen auf Zeit gewählte Delegierte, die jederzeit abrufbar sind, das
Zusammenleben .Es muss sich hierbei um Berufssachverständige handeln, die ihren Auftraggebern wirklich
verantwortlich sind. Diese organisieren sich in freien Vereinigungen von Räten, Syndikaten und sind
zuständig für die kleinste Werkstatt bis zu Industriekomplexen, vom Wohnblock bis zur ganzen Stadt. Ihre
Aufgabe ist die Produktion/Verteilung der Güter, die Regelung der Arbeitsbedingungen und des
Gemeinschaftslebens (Kultur, Kommunikation), die Bildung von Bezirkszusammenschlüssen. Durch die
praktische Zusammenarbeit der freien Vereinigungen findet eine Dezentralisierung der Verantwortung statt.
Dies spricht für den Anarchismus, denn Schuld an den Kriegen hatten immer Großmächte. Durch die
Zerschlagung der Großmächte könne Länder zu einer kulturellen Einheit werden. Wichtigste Aufgabe ist
hierbei die Bildung freier Vereinigungen zur Verwaltung von Wohlstand und Eigentum, um die gerechte
Verteilung unter allen Mitgliedern sicherzustellen und einen gerechten Nutzen für alle Mitglieder zu
schaffen. Der Güterverkehr kann auf der Basis eines reinen Tauschhandels, mit Geldverkehr als Tauschmittel
oder aber auf der Grundlage freier Verfügbarkeit organisiert werden. Unter freier Verfügbarkeit ist die
Benutzung von Straßen, Büchereien und Wäldern, ... ohne Entgelt zu verstehen. Eine gleichmäßige
Aufteilung bzw. uneingeschränkte Umverteilung des Wohlstandes führt zum Ende des auf Privateigentum
ausgerichteten Klassensystems. Dies ist notwendig zur Beendigung des auf Kontrolle beruhenden
Klassensystems. Die Räte müssen allerdings wachsam sein, um eine neue Bürokratisierung zu verhindern.
Sie müssen also für eine Neugestaltung und Umorganisation der Arbeit sorgen.
Die Arbeit
Die Arbeit beinhaltet die Herstellung und Verteilung von Gütern zur Befriedigung der Grundbedürfnisse
sowie von Luxusgütern. Die hierfür maßgebende planmäßige Gestaltung der Arbeit ist hierbei der wichtigste
Ansatz. Grundforderungen: Die meiste Arbeit ist unangenehm, eine bessere Organisation macht sie
erträglicher. Arbeit sollte von den Menschen organisiert werden, die sie auch leisten.
Übereinstimmungen mit dem Marxismus:
Der Marxismus betrachtet die Organisationsform der Arbeit in der gegenwärtigen Gesellschaft als
entfremdet. Die Menschen arbeiten, um leben zu können. Da eigentlich das Private das Leben ausmachen
sollte, kann der Genuss nicht mit Arbeit gleichgesetzt werden. Eine Abschaffung niederer Tätigkeiten führt
zum Wohlstandsabbau. Automation macht jedoch andererseits Arbeit noch eintöniger. Deshalb ist eine
Neuorganisation der Arbeit erforderlich. Selbstverständlich ist es, dass jeder, der an der Durchführung einer
Arbeit beteiligt ist, auch eine Wahlmöglichkeit zwischen den Arbeiten haben sollte.
Unterschied zum Marxismus:
D.h. auch die Organisation der Arbeit ist Sache der Arbeiter, die dort selbst beschäftigt sind und sie
durchführen und nicht als Arbeiterklasse oder Gewerkschaft .Dies bedeutet nicht, dass die gesamte
Belegschaft eines Betriebes ihre Manager selbst wählt und Einblick in alle Geschäftsunterlagen erhält.
Kontrolle bedeutet hier lediglich Verfügungsgewalt über die direkt ausgeführte Arbeit. Wichtig ist hierbei die
größtmögliche Freiheit über Leben und Arbeit in allen Arbeitsbereichen sowie eine möglichst weitgehende
Produktionsplanung durch eine breite Basis. Dies darf jedoch nicht zu einem Wettbewerb führen. Die
herkömmliche Wissenschaft war immer an einer Produktionssteigerung interessiert, was zu einer Distanz
zwischen arm und reich geführt hat. Insofern sollte sich nach der anarchistischen Lehre die Wissenschaft
mehr am Konsum orientieren, damit die Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft befriedigt werden.
Notwendige Güter und Luxus:
Die Ausbeutung von Grundbedürfnissen ist unzulässig. Lebensnotwendige Dinge sind alle die Güter, die
verbraucht werden müssen. Hierzu zählen u.a. Land, Nahrung, Häuser, Bekleidung, Werkzeuge. Diese Güter
sind im Bedarfsfall den Kapitalisten zu entziehen. Sind sie im Überfluss vorhanden, hat jeder das Recht zu
ihrem Verbrauch. Wenn nicht, dann gibt es ein frei vereinbares Verteilungssystem. Hauptaufgabe einer
gesunden Gesellschaft ist die Beseitigung eines Mangels an notwendigen Gütern in anderen Ländern mit zu
beseitigen. Bei unserem heutigen Stand der Technik müsste niemand mehr hungern. Luxusgüter sollen auch
zur freien Verfügung gestellt werden, wenn die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern sichergestellt ist.
Im Hinblick auf Kultur und Geistesleben ist zu sagen, dass diese Güter in den Händen des Einzelnen
verbleiben und nicht in die Hände der Gesellschaft gelegt werden sollen.
Wohlfahrtsgesellschaft:
Fürsorgeverpflichtungen der Menschen untereinander müssen von der Gesellschaft als Ganzes übernommen
werden. Dies bedeutet gegenseitige Hilfe außerhalb des Arbeitsplatzes, der Wohnung und Familie/Freunde.
Durch Erziehung werden die Kenntnisse und Fähigkeiten für das Gesellschaftsleben erworben. Diese These
vertraten u.a. Rousseau, Pestalozzi, Neill. Die staatliche Erziehung befürwortet den Einfluss von Menschen,
sieht aber keine Notwendigkeit, den Erziehungsprozess zu kontrollieren. Die Anarchisten wollen
weitergehendere Reformen im Erziehungswesen: Die Abschaffung jeglicher Ordnung, Disziplin,
außenstehender Autoritäten, die Befreiung der Schüler von den Lehrern. Ihrer Meinung befugt größeres
Fachwissen nicht zur Machtausübung. Die Lehrer sollten lediglich ihr Fachwissen besitzen, dies vermitteln
und dafür Anerkennung und Bewunderung erhalten. Die Macht des Schülers ist hierbei unwichtig. Das Band
zwischen Lehrer und Herrschenden soll zerschnitten werden. Im Hinblick auf die Gesundheit soll jeder ein
Recht auf freie medizinische Versorgung besitzen, d.h. medizinische Versorgung ohne dafür zu bezahlen.
Die Erledigung aller Arbeiten soll ohne Rangordnung erfolgen, d.h. alle kontrollieren sich gegenseitig.
Kriminalität:
Die meisten Kriminellen sind Menschen wie alle anderen auch, nur sie sind unglücklicher, schwächer, ärmer,
dümmer ...Wiederholungstäter gehören nicht bestraft, um sie muss man sich kümmern. In der Regel werden
nicht die großen Bosse und Chefs gefasst, sondern die "kleinen Fische" wegen Geringfügigkeiten. Große
Vergehen in der heutigen Gesellschaft bleiben oft unaufgeklärt, sie werden jedoch teilweise vom Staat selber
begangen. Bestrafung schadet also der Gesellschaft mehr, als dass sie ihr hilft. Trotzdem ist die Gesellschaft
natürlich vor einigen Straftätern zu schützen. Sie sollten jedoch mit Ächtung oder Verbannung verurteilt
werden, nicht aber mit Haft oder Hinrichtung.
Pluralismus:
Die Rechte des Einzelnen werden an verschiedenen Fallbeispielen dargelegt:
- Ein Individuum weigert sich, sich der Gesellschaft anzuschließen, es will sie verlassen. Dennoch bleiben
Grundbedürfnisse wie z.B. Gütertausch bzw. Rohstoffbeschaffung in der Gesellschaft unverzichtbar. Diese
Art des Individualismus ist zu unterstützen.
- Ein Individuum beutet andere aus, z.B. durch ungerechte Bezahlung oder Warentausch zu unangemessenen
Preisen. Dies ist unwahrscheinlich. Doch genauso wie Besitzaneignung möglich ist, genauso kann Besitz
enteignet oder wiederangeeignet werden.
- Eine separate Gemeinschaft will Macht, Bevorzugung, Wohlstand. Die Individuen können sich dieser
Gruppe anschließen, denn Abweichungen von Freiheit und Gleichheit müssen erlaubt sein. Einzige
Bedingung: Niemand darf gezwungen werden, gegen seinen Willen dort beizutreten.
Ein Problem gegenüber den Fallbeispielen liegt darin begründet, dass die Anarchisten die Massengesellschaft
durch eine Vielzahl von Gesellschaften ersetzen wollen, die so frei wie das in ihnen lebende Individuum
sind. Die größte Gefahr gegenüber dieser pluralistischen Gesellschaft liegt in Angriffen von außen. Es stellt
sich daher die Frage, wie eine solche Gesellschaft zustande kommen kann:
Revolution oder Reform:
Viele Anarchisten waren zur Durchsetzung einer freien Gesellschaft immer schon für eine gewaltsame
Revolution. Andere Anarchisten lehnen Gewalt und Revolution als Mittel ab, weil ihrer Meinung nach jede
Gewalt eine Gegengewalt nach sich bringt. Die Ziele der Anarchisten sind zwar revolutionär, jedoch führt
nicht jede Revolution unbedingt zum Ziel.
GEMEINSAMKEITEN
Der Revolutionär weiß, dass seine Anstrengungen lediglich zu Reformen führen. Der Reformist ist sich
bewusst, dass seine Arbeit zu einer Art Revolution führt. Ziel der anarchistischen Revolution ist ein ständiger
Druck in allen Gesellschaftsbereichen, durch den sich die Menschen in Individuen entwickeln können, die
Institutionen umgestaltet werden können, die Provokation von Volksaufständen, die Zerstörung von Macht
und Eigentum. Dies geht nur durch Widerstand, indem jemand dem Staat entgegentritt. Der eigentliche
Kampf geht erst nach der Zerschlagung des Systems los. Ein neues Staatssystem ist zu verhindern, der
Aufbau einer freien Gesellschaft anzustreben. Jeder muss dann Stellung beziehen.
WAS TUN DIE ANARCHISTEN
Erfahrungen machen, Schranken und Werte durchbrechen
Zunächst gilt es, die Notwendigkeit einer Regierung infrage zu stellen, ein neues Weltbild muss entwickelt
werden, vor allem auch durch Gespräche zwischen Anarchisten und Nichtanarchisten. Diese Streitgespräche
dienen auch der Festigung der eigenen Meinung. Es bedarf der Bildung einer Organisation, die anarchistische
Ideen propagiert und anarchistisch handelt.
Die Diskussionsrunde als Keimzelle
Zunächst muss die Lebensfähigkeit einer anarchistischen Organisation hergestellt werden. Dazu bedarf es
Kontaktaufnahmen mit anderen Gruppen. Die Organisation muss breiter angelegte Aktivitäten durchführen.
PROPAGANDA DES WORTES
Es müssen öffentliche Treffen organisiert werden, wo nicht nur anarchistische Gesinnungsgenossen
eingeladen sind, sondern auch andere , z.B. sonst wie persönliche Bekannte. Die Medien sollten genutzt
werden, also Radio, Fernsehen, wobei die öffentlich-rechtlichen Anstalten wegen ihres Status unzureichende
Adressaten sind. Eine weitere Möglichkeit der Öffentlichkeitsarbeit sind Kinos und Theater, die
Veröffentlichungen in Büchern oder Zeitschriften.
AGITATION
Wenn Menschen z.B. aus bestimmten Kreisen für anarchistische Ideen offen sind, sollten ihnen für ihre
Probleme realitätsbezogene und praxisnahe Vorschläge gemacht werden. Dies hat z.B. zu einem Erfolg der
anarchistischen Bewegung in Russland vor 1914 und Spanien 1930 geführt.
DIE TAT
In der Geschichte des Anarchismus ist es immer wieder zu Demonstrationen, Aufruhr und Erhebungen
gekommen, insbesondere im 19. Jahrhundert überwiegte bei den Anarchisten die Gewalt als Mittel der
Auseinandersetzung mit der Staatsgewalt. Heute beschränken sich die Aktivitäten der Anarchisten eher auf
Sit-ins, organisatorische Störungen von Veranstaltungen oder zivilen Ungehorsam. Diese moderne Form der
Agitation reizt zum Handeln, während die Tat das Handeln bedingt.
Die Aktion
In der Evolution jeder anarchistischen Gruppe kapselt sich diese irgendwann gegen eine Überwachung durch
den Staat ab. Gleichzeitig behält sie jedoch damit ihre Beweglichkeit bei, sonst würde sie ins autoritäre
abgleiten. Die Hauptgefahr in dieser Entwicklung liegt in der staatlichen Verfolgung aufgrund der damit
verbundenen Gefahr für die Obrigkeit. Die Diskussion über Sinn und Zweck der Agitation ist weit verbreitet.
Man streitet sich darüber, ob diese Aktionsform legal oder illegal, gewaltsam oder gewaltlos, erfolgreich
oder vergebens ist. Eine heute übliche Form des Widerstandes ist die Direkte Aktion: Hier sollen
Universitäten, Häuser, Fabriken, Militärstützpunkte besetzt werden. Diese Aktionsform entspricht libertären
Grundsätzen. Sie dient dem Aufbau und der Verteidigung einer freien Gesellschaft.
Gefahr des Nihilismus:
Viele in unserer Gesellschaft glauben, dass der Anarchismus nicht durchsetzbar ist und sind in ihrer
Hoffnung auf eine freie Gesellschaft sehr skeptisch. In der Zarenzeit haben junge Russen (Anhänger von
Turgenjew 1850) Staat, Moral, Gesellschaft verneint und terroristische Anschläge als radikale Aktionsform
gegen die verhassten Institutionen verübt. Dieser Versuch, die Gesellschaft physisch anzugreifen, hatte
schlimme Folgen.
BOHEME
Diese Weltanschauung war eine gemäßigte Form von Anarchistischer Weltanschauung. Der Boheme hebt
sich nach seinem Selbstverständnis von der Gesellschaft ab., obwohl er in ihr und durch sie lebt. Er
verweigert gesellschaftliche Werte und reagiert auf sie mit Amüsement und Provokation. Das negative an der
Boheme ist, dass sie aktive Kräfte hemmt.
HEUTE
Heute bilden die Anarchisten eigene zwanglose Gemeinschaften, gegründet auf in der Gesellschaft lebende
und arbeitende Menschen. Sie sind die Keimzelle einer neuen Gesellschaftsform. Sie sind eine lebensfähige
Form der Zuflucht vor den Ansprüchen der Obrigkeit.
PERMANENTER PROTEST
Moderne Anarchisten haben keine Hoffnung auf das Erlangen des Zieles, d.h. Realisierung der Anarchie,
Zerstörung der Gesellschaft. Deshalb ist auch nicht die Zukunft als Utopie wichtig, sondern die bittere
Erkenntnis der heutigen Realität. Dennoch müssen die Anarchisten ihre Ideen weiterverfolgen, auch wenn sie
wissen, dass ihre Bemühungen nicht zum gewünschten Ziel führen werden. Anarchisten waren immer in der
Minderzahl daher ist ihre Mitwirkung an größeren linken Bewegungen empfehlenswert. Damit ist in erster
Linie eine Mitarbeit in der Arbeiterbewegung, der Friedens-/Anti-AKW-Bewegung oder der Realisierung der
Gleichberechtigung von Frauen gefordert. Durch das Bündnis mit Nicht - Anarchisten besteht natürlich die
Preisgabe anarchistischer Grundsätze. Jedoch wenn sich die Anarchisten nicht an anderen Gruppen
beteiligen, besteht die Gefahr des Sektierertums. Die Anarchisten sollten sich bei den Bündnissen mit Nicht-
Anarchisten über die enge Verknüpfung der Wahrung libertärer Methoden in der Bündnisarbeit mit der
Anwendung konkreter Methoden zur Verfolgung eines bestimmten Zieles im klaren sein.
Quelle:
FAU - Allgemeines Syndikat Koblenz